Erfahrungsaustausch, Ermächtigung und Selbstorganisation

Von Christian Bunke

Viele freie JournalistInnen haben diese oder ähnliche Probleme bereits gehabt: Ein großes Medienhaus kürzt die Honorare für freie MitarbeiterInnen mal eben um zehn Prozent. Begründung: Es müsse gespart werden. Aus demselben Grund haben viele fest angestellte KollegInnen schon ihre Jobs verloren.

Ein anderes Unternehmen scheint nicht recht an die pünktliche Zahlung von Honoraren zu glauben. Vereinbarungen werden nicht eingehalten. Artikel nicht veröffentlicht. Bezahlt wird erst recht nicht, obwohl vorher ein entsprechender Vertrag abgeschlossen wurde. Aber hey, freie JournalistInnen brauchen ja nichts zu essen, und ihre Wohnungen müssen sie auch nicht heizen. Denkt zumindest manch gut bezahlte Führungskraft.

Eine britische Kollegin von mir hat mal gemeint, der Versuch, freie JournalistInnen zu organisieren, sei ähnlich erfolgversprechend, wie einen Haufen Katzen führen zu wollen. Die Zielgruppe sei zu individualistisch, zu unterschiedlich die Interessen.

Tatsächlich scheinen die Unterschiede oberflächlich betrachtet groß. Die eine schreibt über Wirtschaftsthemen, der andere für ein Anglermagazin. Einer macht Reisereportagen, jemand anderes hat sich auf Kultur spezialisiert. Und doch sind alle in derselben Branche beheimatet, wälzen dieselben Probleme und Herausforderungen im Produktionsprozess.

Aber wo ist die Sichtbarkeit? Ohne freie MitarbeiterInnen ist heute kein Medienunternehmen denkbar. Freie Mitarbeit, oft unter fragwürdigen Bedingungen, ist ein weit verbreitetes Einstiegstor für junge KollegInnen.

Hunderte Menschen arbeiten in Österreich als freie JournalistInnen. Aber eine Lobby haben sie nicht. Die Journalistengewerkschaft hält ihre Bedürfnisse für irrelevant und beschränkt sich auf die Vertretung der Kernbelegschaften.

Die Freischreiber Österreich wollen eine Lobby von und für freie JournalistInnen sein. Die Mittel sind bescheiden, und doch wird Wertvolles geleistet: Sie bieten einen Ort des Erfahrungsaustausches, der Ermächtigung und der Selbstorganisation. Dieser Ort wird in dem Maße an Einfluss gewinnen, in dem sich freie JournalistInnen einbringen, zu Stammtischen kommen und bei der Organisation von Aktivitäten helfen.

Die Freischreiber sind keine Konkurrenz zu ihren fest angestellten KollegInnen. Sie fordern aber eine Behandlung auf Augenhöhe ein. Je mehr und aktiver wir sind, desto selbstbewusster können wir das tun.

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